Was ist ein Epitaph und was hat es mit der Bernauerkapelle in Straubing zu tun?

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Albert Dietl kennt sich mit der Epitaphkunst aus. Ein Epitaph befindet sich seit dem 16. Jahrhundert auf dem St.-Peter-Friedhof in Straubing. Der Kunsthistoriker spricht am Donnerstag, 29. November um 19.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Jakob über den Künstler Hans Leinberger. Veranstalter ist der Historische Verein für Straubing und Umgebung.

 

Epitaph auf dem Friedhof St. Peter in Straubing.

Als Epitaph (altgriechisch „zum Grab gehörend“) wird eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler bezeichnet. Und genau eine solche hat Hans Leinberger für Johannes Walkhaimer  in der Bernauerkapelle auf dem Friedhof der Straubinger Altstadt errichtet. Walkhaimer stammte aus Straubing war Stiftsdekan in Moosburg (gestorben 1529).

Walkhaimer, seit 1494 Magister Artium der Universität Ingolstadt und seit 1491/93 Mitglied der Straubinger Priesterbruderschaft, war als Stiftskanoniker und Pfarrer von St. Johann unmittelbar in die Aufstellung der beiden Schnitzaltäre Leinbergers in Moosburg involviert. Für das ungewöhnliche Thema, das sicher auf Wunsch Walkheimers und seine Lektüre von Kirchenvätertexten zurückging, griff Leinberger auf die Bildtradition bayerisch-österreichischer Historienbibeln des 15. Jahrhunderts zurück.

Dieses Epitaph dürfte wahrscheinlich das letzte eigenhändige Werk des Landshuter Bildhauers Hans Leinberger (nachweisbar 1510 bis 1530) sein. Bei diesem Totengedächtnismal wurde anscheinend erstmals das Thema der Auferweckung der Totengebeine nach der Vision des Propheten Ezechiel in die Epitaphkunst eingeführt.

Die Kunstgeschichte der 1920er Jahre vergleicht das 1916 in die Forschung eingeführte Werk wegen seiner furiosen Aktdarstellung mit den Jüngsten Gerichten von Michelangelo und Rubens. Bis dahin war das Epitaph als die unbekannte Zeichnung um 1780 dokumentiert gewesen.

Der Eintritt zur diesem Vortrag ist sowohl für Vereinsmitglieder als auch für Interessierte kostenfrei.

Hinweis: Ursprünglich war diese Veranstaltung für Donnerstag, 15. November anberaumt. Dieser Termin wurde auf Donnerstag, 29. November verlegt.